Über Land und Leute

Der Freistaat Sachsen befindet sich im Südosten der Bundesrepublik Deutschland. Sein Territorium hat eine Größe von etwas mehr als 18.300 qm/km.
An Sachsen grenzen die Republik Polen, Böhmen sowie die deutschen Bundesländer Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.
Seine Anfänge gehen auf die deutsche Ostexpansion vom 9. bis zum 12. Jahrhundert zurück. Diese Grenzmarken hatten nicht nur eine christliche Mission sonders es war Ihre Aufgabe, den Herrschaftsraum zu sichern und Sprache, Wirtschaftsweise und Recht dem deutschen anzugleichen. Der König betraute als Verwalter Markgrafen, die allerdings versuchten, dieses Amt für ihre Nachkommen zu sichern, um dann eine machtvolle Dynastie herauszubilden. Hier erwiesen sich die Wettiner als geschickte, machtbewusste Fürsten, die es schafften, Begehrlichkeiten anderer abzuwehren, um die eigene Herrschaft zu erweitern.
Der Name Sachsen hat im Laufe der Geschichte eine merkwürdige Wanderung erlebt. Ursprünglich bezeichnete er einen im heutigen Schleswig-Holstein ansässigen Stamm, der zusammen mit den Angeln nach Britannien übersetzte. Die dort lebenden Kelten wurden vertrieben und das Land in Besitz genommen. Daher stammt die heutige Bezeichnung der Engländer als "Angelsachsen". Die in Deutschland verbliebenen Sachsen an der unteren Elbe wurden von Karl dem Großen dem Fränkischen Reich einverleibt. König Heinrich I. war von 919 bis 936 erster sächsischer Herrscher des Reiches, er war der Stammvater der Ottonischen Könige und Kaiser. Als Sachsen nach dem Sturz Heinrich des Löwen geteilt wurde, übertrugen die Askanier den Titel des Herzogs von Sachsen auf ihre Besitzungen in Wittenberg. Nach dem Aussterben der Askanier ging 1423 das Herzogtum Sachsen-Wittenberg zusammen mit der Kurwürde an das Haus Wettin. Nach der Teilung 1485 fiel es zunächst an die ernestinische Linie und 1547 endgültig an die Albertiner, deren Stammland die Markgrafschaft Meißen war. Diese Wanderung der Bezeichnung führte dazu, dass noch heute mehrere, sogar weit auseinander-liegende Gebiete den Namen Sachsen führen: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und der Freistaat Sachsen.
In der Reformation ab 1517 gingen die ernestinische und die albertinische Linie des Hauses Wettin getrennte Wege. Während die Ernestiner die Sache der Reformation zu der ihren machten, öffneten die Albertiner sich ihr erst eine Generation später. Unter Kurfürst August (1553-1586) begann der innere Ausbau. Es wurden landwirtschaftliche Mustergüter errichtet, der Bergbau wurde mit modernen Methoden betrieben und Handel und Gewerbe wurden gefördert. So entstanden die ersten Manufakturen als Vorläufer einer industriellen Fertigung. Um 1600 lebte bereits ein Drittel der Bevölkerung in städtischen Siedlungen.
Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde das Land schwer in Mitleidenschaft gezogen, fast alle seine Städte waren niedergebrannt, die Bevölkerung nahezu halbiert. Von den Verheerungen des Krieges erholte sich Sachsen aber verhältnismäßig schnell, politisch allerdings ging es aus dem Krieg geschwächt hervor, und zwar vor allem durch den Aufstieg Brandenburgs.
Nach einmal versuchte ein sächsischer Herrscher sein Land in den Rang einer europäischen Macht zu erheben. Es war August der Starke (1694-1733). Die Finanzkraft seines Landes, insbesondere wegen des Erzreichtums des Erzgebirges, erlaubte es ihm, die gewaltigen Mittel aufzutreiben, um die Wahl zum König von Polen für sich zu entscheiden. Zum Preis der polnischen Krone gehörte auch der Übertritt zum Katholizismus, welches im protestantischen Lande auf heftige Ablehnung stieß. Die daraus folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen stärkten letztendlich den Vorrang der Hohenzollern unter Friedrich dem Großen.
Katastrophale Folgen hatten auch die napoleonischen Kriege für Sachsen. 1806 stand es an der Seite Preußens gegen Napoleon und teilte dessen Niederlage. Danach geriet Sachsen vollständig in Abhängigkeit von Frankreich, sein Herrscher wurde König von Napoleons Gnaden, seine Truppen kämpften auf französischer Seite. Verhängnisvollerweise vermochte es sich auch dann nicht von Napoleon zu lösen, als dessen Stern niederging. Erst in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 ging ein Teil der sächsischen Truppen zu den verbündeten Gegnern Napoleons über. Beim Wiener Kongress 1815 musste Sachsen einen großen Teil seines Territoriums an Preußen abtreten, der in der preußischen Provinz Sachsen aufging. Beinahe hätte Restsachsen 1866 seine Unabhängigkeit eingebüßt und wäre Preußen angegliedert worden, denn es stand im Kriege zwischen Österreich und Preußen wiederum auf der Seite des Verlierers. 1871 ging es in dem von Bismarck geschaffenen Kaiserreich auf.
Charakteristisch für die Industrialisierung Sachsen war das Vorherrschen von Betrieben kleinerer und mittlerer Größe. Auch die weitverzweigte Heimindustrie, deren Beschäftigte unter elenden Bedingungen ihr Brot verdienen mussten, blieb lange erhalten, dadurch wurden soziale Probleme der Zeit früher als anderswo im Reich drängend. Sachsen wurde zu einer Hochburg der Arbeiterbewegung.
Mit der Novemberrevolution 1918 ging die 829jährige Herrschaft der Wettiner zu Ende. Der letzte König, Friedrich August III., ein volkstümlicher und allgemein beliebter Herrscher mit ganz und gar nicht majestätischen Manieren, soll den Revolutionären die Geschäfte mit den Worten übergeben haben: "Na, dann macht euern Dreck alleene".
In der Frühzeit der Weimarer Republik geriet das "rote Sachsen" in einem Konflikt mit der Reichsregierung. Die Reichswehr rückte ein und erzwang den Rücktritt der sozialistisch-kommunistischen Regierung. Auch die Nationalsozialisten im Dritten Reich hatten in Sachsen nur unterdurchschnittliche Wahlerfolge.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Sachsen schwer getroffen, seine Städte und Industrieansiedlung sanken in Schutt und Asche. Der Untergang des barocken Dresden am 13. und 14. Februar 1945 war nicht nur eine schreckliche Katastrophe für die Einwohner der Stadt, sondern auch ein unwiederbringlicher Verlust für die Kultur der Menschheit. Nach dem Ende des Krieges wurde Sachsen sowjetische Besatzungszone und dann eines der fünf Länder in der DDR. Zwischen 1952 und 1990 war das Land in die Bezirke Leipzig, Dresden und Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) geteilt. Die friedliche Revolution in der DDR leitete nach 45 Jahren das Ende der Teilung Deutschlands ein. Seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint und der Freistaat Sachsen eines von 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland.

Harald Sarfert/1998